Holz ABC

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Fernambuc

Kurzzeichen DIN EN 13556 CSEC
Botanische Bezeichnung Paubrasilia echinata (syn.: Caesalpinia echinata, Guilandina echinata), Familie Fabaceae-Caesalpinoideae
Verbreitung Nordostbrasilien, in den atlantischen Wäldern (Mata Atlántica) der Bundesstaaten Rio Grande do Norte südlich bis Rio de Janeiro
Weitere Handelsnamen Ibira pitanga, orabutã, pau brasil, pau de pernambuco, pau rosado, pau de tinta (BR); palo brasil, palo de Pernambuco (ES); Pernambuk (DE); brazilwood, Pernambuco wood (GB, US); bois-brésil, bois de Pernambouc (FR)

Kurzbeschreibung

Paubrasilia echinata ist ein unscheinbarer Baum von geringer bis mittlerer Größe. Für die ersten portugiesischen Siedler im frühen 16. Jahrhundert wurde der Baum jedoch sehr wertvoll, da sie aus dem Kernholz ein rotes Pigment gewinnen konnten, das für die Färbung von Textilien verwendet wurde und in Anlehnung an dessen glutrote Farbe als brasil bezeichnet wurde, abgeleitet vom portugiesischen Wort brasa (Feuerglut). Im 17. und 18. Jhdt. entwickelte sich ein profitabler Handel von Fernambuk mit Portugal und Frankreich. Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung des Rohstoffes, wurde die damalige portugiesische Kolonie Terra do Brasil genannt, was dem Land Brasilien seinen Namen gab. Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte ein französischer Bogenbauer die Eignung des Holzes für die Fertigung von Streichbögen. Seitdem ist Fernambuk aus dem Bogenbau nicht mehr wegzudenken und steht für beste Bogenqualität.

Paubrasilia echinata wird auf der IUCN Red List als stark gefährdet geführt. Der Baum wurde 1978 zum Nationalen Baum Brasiliens (Árvore Nacional do Brasil) erklärt und ist dort streng geschützt. Seit 2007 unterliegt er den Schutzbestimmungen des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES Anhang II), modifiziert durch die Entscheidung der Vertragsstaaten vom 23.2.2023 (siehe: Link). Angesichts schwindender Verfügbarkeit, wurde im Jahr 2000 die I.P.C.I. (International Pernambuco Conservation Initiative) gegründet, die sich um die Bekanntheit des Baumes kümmert und Aufforstungsprojekte fördert (Link).

Farbe und Struktur

Kernholz gelblich über orange braun bis zu einem dunklen rotbraun, deutlich abgegrenzt vom weißlich gelben Splintholz. Holz zerstreutporig, Poren meist mittelgroß und mäßig zahlreich. Speichergewebe kreisoder autenförmig die Poren umschließend, gelegentlich auch als helle Bänder die Zuwachs-zonen begrenzend. Holzstrahlen schmal und niedrig, in einigen Mustern mit unregelmäßigem Stockwerkbau. Zuwachszonen nur schwach angedeutet durch dunklere, porenärmere Zonen, gelegentlich begleitet von einem hellen Band von Speicherzellen. Faserverlauf unterschiedlich, von geradfaserig bis unregelmäßig und auch wechseldrehwüchsig. Frisches Holz leicht aromatisch, trockenes Holz ohne charakteristischen Geruch.

Gesamtcharakter

Schweres und hartes Holz von gleichmäßig orangebrauner, attraktiver Farbgebung, mittlerer Textur und leicht glänzender Oberfläche.

Rohdichte lufttrocken (12-15% u) 0,85–0,95–1,02(–1,27) g/cm³
Druckfestigkeit u12-15 69–79–88 N/mm²
Biegefestigkeit u12-15 179–195–216(–250) N/mm²
Elastizitätsmodul (Biegung) u12-15 18 900–22 400–30 910(–36 000) N/mm²
Bruchschlagbarkeit ca. 63 kJ/m²
Härte (JANKA) ⊥, umgerechnet 12,4–14,5 kN
Härte (BRINELL) ⊥ zur Faser u12-15 45–52 N/mm²
Trocknungsschwindmaß (radial) 4,5–5,1 %
Trocknungsschwindmaß (tangential) 8,1–8,6 %
Differentielles Schwindmass (radial) k. A. %
Differentielles Schwindmass (tangential) k. A. %
pH-Wert k. A.
Natürliche Dauerhaftigkeit (DIN-EN 350-2) Klasse 1(–2)

Bearbeitbarkeit

Das schwere und harte Holz ist bei geradem Faserverlauf gut zu bearbeiten und zu biegen. Das gilt für die Feinarbeiten des Bogenbauers wie das Glätten der Flächen und brechen der Kanten mit dem Hobel, das Biegen unter Hitzeeinwirkung, das Schnitzen des Kopfes sowie das Nacharbeiten mit Ziehklinge oder Feile, gefolgt von Schleifen, Ölen und Polieren.

Trocknung

Gemessen an der hohen Rohdichte, sind die Schwindwerte niedrig und verleihen dem Holz ein mittleres bis gutes Stehvermögen. Natürliche Trocknung vordimensionierter Bretter oder Stangen verläuft langsam. Die meisten Bogenbauer empfehlen eine Trocknung in gut durchlüfteten Räumen für einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren. Technische Trocknung wird nicht empfohlen, da das Holz spröde wird und sich schwieriger biegen lässt.

Natürliche Dauerhaftigkeit

Gegen Holz zerstörende und verfärbende Pilze ist das Kernholz von Fernambuk sehr dauerhaft. Gegen Insekten und Schädlinge im Meerwasser gilt es als anfällig.

Verwendungsbereiche

In der Regel wird das Holz nach Kriterien wie Riftschnitt, Geradfaserigkeit, Fehlerfreiheit, Rohdichte und Steifigkeit vorsortiert und entsprechend Qualitätsstufen zugeordnet. Zur Qualitätseinteilung verwenden viele Bogenmacher neben diesen Kriterien auch Messwerte der Schallgeschwindigkeit, um die Leit-fähigkeit des Holzes zu ermitteln. Die beste Qualität (ouro = Gold) ist der Fertigung von sog. Meisterbögen vorbehalten, aus den geringeren Qualitäten (prata = Silber und bronze = Bronze) werden Streichbögen für geringere Ansprüche hergestellt. Holz, das den genannten Qualitäten nicht genügt, wird in Brasilien meist zu Schnitz- und Drechselarbeiten, mitunter auch für Böden und Seiten von akustischen Gitarren und Intarsien verarbeitet.

Anmerkungen

Achtung!: Die bei der Bearbeitung entstehenden Feinspäne und Schleifstaub können bei sensiblen Personen zu Reizung der Schleimhäute und allergischen Reaktionen führen. Darum sollte mit Atemschutz gearbeitet werden.

Literatur

Angyalossy, V, Amano, E, & Alves & Segala, E, 2005. Madeiras utilizadas na fabricação de arcos para instrumentos de corda: aspectos anatômicos. Acta Botanica Brasilica, 19(4), 819–834

Grünke, K. 2023. Persönliche Mitteilung

Lichtenberg, S, Huber-Sannwald, E, Reyes-Agüero, J, Anhuf, D & Nehren, U, 2022. Pau-brasil and string instrument bows telecouple nature, art, and heritage. Ecology and Society 27(1):32

Longui, EL & al. 2014. Woods with physical, mechanical and acoustic properties similar to those of Caesalpinia echinata have high potential as alternative woods for bow makers. CERNE 20(3): www.scielo.br/j/cerne/a/r5vrc8nR9BLrhVZ5rKKBNRb/?lang=en

Marques, Sinval dos Santos & al. 2012. Specific gravity and shrinkage of Pernambuco wood (Caesalpinia echinata LAM.). Rev. Árvore 36(2): 373–380

Matsunaga, M & Minato, K, 1998. Physical and mechanical properties required for violin bow materials in comparison of the processing properties and durability between pernambuco and substitutable wood species. J Wood Sci 44:142–146

Richter, HG & Schwab, E, 1983. Eigenschaftsuntersuchungen an Holz von Guilandina echinata (unveröffentlicht)

Richter, HG, 1988. Holz als Rohstoff für den Musikinstrumentenbau. Edition Moeck Nr. 4043, Moeck Verlag Celle

Schimleck, LR & al., 2013. Examination of wood properties of plantation-grown Pernambuco (Caesalpinia echinata). IAWA Journal 34(1):34–48

Schimleck, LR, Matos, JLM & Espey, C, 2017. Radial variation of pernambuco (Caesalpinia echinata) wood properties. IAWA J. 38(1): 99–104

Quelle: GD Holz